Der Informatikunterricht auf Primar- und Sekundarstufe basiert auf dem Lehrplan 21. Daraus resultiert in den meisten Kantonen das Fach „Medien und Informatik“.
Das weitverbreitete Lehrmittel „Connected“ (LMVZ) wird an vielen Schulen eingesetzt. Neben den Grundprinzipien der Informatik ist ein grosser Teil auch dem Thema „Medien“ gewidmet. Themen wie „Fake News“ oder der Umgang mit persönlichen Daten beim Verwenden des Internets spielen dabei eine zentrale Rolle. Das Lehrmittel versucht anhand von Fallbeispielen die Themen in die „Lebenswelt“ der Schülerinnen und Schüler zu rücken, und so das Interesse dafür zu wecken. Eigentlich eine gute Idee.
Leider funktioniert der Ansatz aber nur bedingt. Nehmen wir zum Beispiel das Thema „Videos erstellen und veröffentlichen“. Die Themen Urheberrecht, Datenschutz, Persönlichkeitsrecht und inhaltliche Verantwortung lassen sich super einbringen. Das Problem: Von 24 Schüler*innen trifft es meist nur die Lebenswelt von 2-3 Kindern. Der Rest der Klasse kann mit dem Thema wenig bis nichts anfangen, weil gar kein Interesse daran besteht, Videos zu veröffentlichen.
Zweites Beispiel gefällig? Die Themen Persönlichkeitsrecht und Urheberrecht passen auch herforragend zu den beliebten Chat- und Messenger-Systemen wie WhatsApp und SnapChat, die bei den Kids sehr häufig verwendet werden. Der Hinweis, dass man fremde Inhalte (wie z.B. Comic-Bilder) aus rechtlicher Sicht nicht einfach weiterverschicken darf, stösst oft auf grosses Unverständnis:
- Meine Mama schickt auch alles weiter.
- Wer soll schon sehen, dass ich es weiterschicke.
- Wenn das nicht erlaubt ist, wieso kann man es dann machen?
Dies sind nur einige der Reaktionen, die ich regelmässig erlebe. Und die Kinder haben recht, wenn sie kritische Fragen stellen. Wieso kann man es machen, wenn es doch gar nicht erlaubt ist? Wäre es technisch nicht lösbar, urheberrechtlich geschützte Bilddateien mit einem digitalen Schutz zu versehen, damit ein Weiterverbreiten ohne die entsprechende Lizenz gar nicht erst möglich ist?
Und wenn nun die Lebenswelt der Kinder eine ist, in der gewisses Verhalten (falsch) vorgelebt wird? Wenn sich die Erwachsenen nicht an die Spielregeln halten, wie sollen es die Kinder dann lernen?
Die von gewissen Kreisen geforderten Handyverboten an Schulen (oder generell für Kinder und Jugendliche) können das Problem jedenfalls nicht lösen, soviel steht fest.
